Unauffällig

Das Herz schlägt.

Hundertvierzig Mal.

Ist alles da?

Kopfumfang:
Hundertfünfundsiebzig Millimeter.
Zwei Hände.
Zwei Füsse.

Ist alles gut?

Kleinhirn regelrecht.
Zwei Hemisphären.
Klar getrennt.

Es bewegt sich aus dem Bild.
Hand vors Gesicht.

«Es will sich nicht zeigen.»

Die Ärztin führt den Schallkopf
über die gespannte Haut,
kippt ihn, dreht ihn.

Jetzt ist das Bild wieder da.
Wellen treffen auf
den kleinen Körper.
Den gebogenen Rücken.
Finger, die sich langsam öffnen.  

Graues Pochen.
Das Herz schlägt
zurück.

Hundertfünfzig Mal.

Ist es gut?

Unauffällig.

Die Mutter sinkt auf die
Liege zurück.

Es ist gut.
Mache ich es gut? 

Halt. Still.

Wie lange noch?

Die Stimme aus dem
Kontrollraum antwortet nicht.

Mein Kopf liegt ruhig
in der Fassung.
Meine rechte Hand auf dem Knopf.

Wenn etwas ist, drücken Sie.

Rattern.
Die nächste Sequenz beginnt.
Scheibe um Scheibe.

Es ist nichts.
Klopfen.
Es ist nichts.
Hämmern.

Stopp.
Eine Schicht zurück.
Noch eine.

Sehen Sie das?
Und hier.
Drei?
Drei.
Ungewöhnlich.
Angeboren?
Vielleicht schon länger da.

Noch eine Aufnahme.
Bitte nicht bewegen.

Im Spiegel über mir
das kleine Fenster
zum Kontrollraum.

Dahinter weisse Kittel.
Gesichter im blassen Licht
der Monitore.
Gesten.

Vergrössern Sie mal.
Nicht eindeutig abgrenzbar.
Der dritte?
Schwer zugänglich.
Sie macht zu.
Macht zu?
Kontrolliert.

Rattern.

Raus hier.
Meine Hand auf dem Knopf.
Meine Hand.
Eine Hand.
Ihre.

Krümm die Finger.
Der Körper bewegt sich nicht.

Sag etwas.
Nichts.
Sag, dass es nicht stimmt.

Zurück.
Noch eine.
Noch eine Schicht.

Du kannst jederzeit abbrechen.

Drück.
Die Hand bewegt sich nicht.

Steh auf.
Steh endlich auf.
Raus aus der Röhre.

Klopfen.

Reiss den Rahmen vom Gesicht.
Drei Schritte bis zum Fenster.
Eins.
Rattern.
Zwei.
Drei.

Nimm etwas.
Etwas Hartes, Schweres.

Schlag zu.
Noch einmal.
Fester.

Hämmern.
Schlagen.
Pochen.
Achtzig Mal.

Weisse Kittel.
Hände vorm Gesicht.

Endlich.
Der erste Sprung.
Der zweite.
Risse.
Scherben.
Blut.

Ein leises Knacken.
Räuspern.

Die Stimme aus dem Kontrollraum:
Nicht bewegen.
Die letzte Sequenz beginnt.
Sie machen das gut.

Sie liegt da.
In der Fassung.
Kontrolliert.
Die Hand auf dem Knopf.
Fünf Finger.
Spiegel vorm Gesicht.

Scheibe um Scheibe.
Schneid eine ab.
Sie macht es
zu gut.

Risse im Bauch.

Kälte?

Die Mutter nimmt die
Urne in ihren Schoss.

Der erste Riss ist fein.
Der zweite tiefer.
Der dritte verschwindet
unter ihrer Hand.

Von aussen?
Sie streicht mit dem Daumen
am Riss entlang.

Von innen?
Nicht gesehen.

Sie dreht die Urne.

Da.
Ein Knacken. Die Keramik
gibt nach.

Asche im Wind.
Leise.
Unauffällig.

Die Mutter schaut ihr nach.
Blut tropft vom Finger.