Miniaturen
-
Kein böses Blut
Genau 56 Stufen sind es bis zum Keller. Auch heute. Nur steht unten plötzlich die Bahnhofapotheke. Eigentlich wollte ich Katzenfutter holen. Aber wenn man schon mal da ist, kann man sich auch gleich das böse Blut abnehmen lassen.
-
Füttere es.
Die Tiefkühltruhe ist weg. An ihrer Stelle liegt ein Gerippe unter einer alten Militärwolldecke. Eigentlich gäbe es jetzt einiges zu klären. Zum Beispiel, wo das Fleisch geblieben ist. Doch dann bewegt sich ein Finger: Füttere es.
-
Weiter
Risse im Bauch. Kälte? Ihre Finger folgen den rauen Linien. Wie tief? Wann hat es angefangen?
-
Muttermal
Klein. Dunkel. Unter dem Auge. Von der Seite sieht man es kaum. Wenn es nur verschwinden würde.
-
Unauffällig
Alles da. Alles am richtigen Platz. Alles, wie es sein soll. Der Schallkopf sucht weiter.
-
Genug für ein Haus
Ein Vater trägt einen Brief ein Leben lang bei sich und öffnet ihn nie. Für sein Kind steckt darin alles: eine Liebe, eine Entschuldigung, genug Geld für ein Haus. Bis der Brief eines Tages offen daliegt – und die Wahrheit nur noch wenige Schritte entfernt ist.
-
Bis du mich erfindest
Ein Pavillon. Eine Tasse, die noch warm ist. Kleine Dinge, die jemand zurücklässt. Und ein Mensch, der beginnt, sich vorzustellen, wer dieser Jemand sein könnte.
-
Bleiben zwei.
Manche Aufgaben werden verteilt. Andere bleiben liegen. Eine Miniatur darüber, was sich ansammelt, wenn ein Kind übernimmt.
-
Für zwei
Was die Kleine tut, bleibt nicht bei der Kleinen. Eine Miniatur über Mutter und Kind – und ein Ich, das immer wieder zum Wir wird.
-
Ich auch
Die Miniatur «Ich auch» erzählt von Mutter und Kind und vom schmalen Grat zwischen Nähe und Vereinnahmung.